Sichtbare Geschichte
Auf der Holzener Hütte, einem nördlich gelegenen Ortsteil, liegt ein wesentlicher Teil sichtbarer Geschichte Holzens.
Der Wald am Renneberg war mit seinen ausgiebigen Holzvorkommen ein prägender Faktor für das Entstehen einer der ersten ortsfesten Glashütten im Weserbergland. Mit der grünen Glashütte in Holzen wurden 1744 gleichzeitig eine weiße Glashütte am Schorbornsteich im Solling sowie eine Spiegelhütte am grünen Plan (Grünenplan) im Hils gegründet. Diese Gründungen erfolgten auf Veranlassung von Carl I., Herzog zu Braunschweig und Lüneburg. Sie stehen in Verbindung mit dem Aufbau eines Manufakturwesens im Braunschweigischen Weserdistrikt, welches im Zuge des im 18. Jh. aufblühenden Merkantilismus durchgeführt wurde.
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Freigelegte Grünglashütte aus dem Jahr 1744
- 1744 entstand eine der ersten ortsfesten Glashütten am Renneberg in Holzen. Zuvor angelegte Wanderglashütten orientierten sich an den Ressourcen ihrer Umgebung und wurden abgebrochen sobald der Wald, dessen Holz zur Glasherstellung benötigt wurde, abgeholzt und verbraucht war.
Die noch heute geläufigen Ortsbezeichnungen wie "Holzener Hütte", "Glashüttenweg" oder "Hüttenstraße" lieferten die Hinweise auf den ehemaligen Hüttenstandort. Letztendlich gaben in einem Garten am Glashüttenweg gemachte Funde den Anlass, 2001 mit einer archäologischen Untersuchung zu beginnen. Im Laufe der folgenden Jahre konnte die Archäologische Denkmalpflege des Landkreis Holzminden dort eine Produktionsstätte mit einem Zentralen Schmelz- und Arbeitsofen und mindestens sieben weitere Öfen unterschiedlichster Funktion freilegen. Ein großer Schmelztiegel (Hafen), Werkzeuge zur Glasherstellung und zahlreiche Glasprodukte geben Auskunft über die Arbeit auf der Glashütte. Es wurden dort vorwiegend gesiegelte Glasflaschen (Bouteillen) gefertigt. Nachgewiesen wurde auch das über den Öfen errichtete Hüttengebäude.
Durch die Überdachung der Ausgrabungsstätte und das Aufstellen einer Informationstafel ist eine Art begehbare Museumsanlage entstanden. Dieses Kulturdenkmal ist Teil eines im Aufbau stehenden landkreisweiten Projekts, einer "Glashüttenstraße" durch das Weserbergland. Auf dieser Route können sich Touristen zukünftig über die Entwicklung der Glaserzeugung und -verarbeitung in Vergangenheit und Gegenwart informieren.
Im Erich-Mäder-Glasmuseum Grünenplan sowie im Museum des Schlosses Bad Pyrmont sind Relikte und Glaserzeugnisse der fürstlichen Glasmanufaktur Holzen ausgestellt.
Die Poppenburg in Holzen.
Am nordöstlichen Rand Holzens erstreckt sich entlang des Ruthebaches ein lang gezogener Bergsporn, der in der Flurbeschreibung als "Poppenburg" benannt wird. Erst 1984 entdeckte der Burgenforscher R. Nowack aus Katlenburg bei einer Begehung des Geländes eine mittelalterliche Burganlage. Die Poppenburg ist keine Burganlage, deren Mauern aus behauenen Steinen errichtet wurden, vielmehr handelt es sich um ein am Spornende liegendes, leicht erhöhtes Felsplateau, das nach Norden und Osten durch einen aus Erde aufgeschütteten, bogenförmig verlaufenden Wall mit vorgelagertem Graben abgegrenzt wird. Nach Süden und Westen ist die Anlage auf natürliche Weise durch steil abfallende Felswände geschützt. Eine zusätzliche Absicherung in südlicher Richtung bildete eine grabenartige Felsspalte.
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Die Poppenburg aus dem 12. Jahrhundert
- Die Funde auf der Poppenburg weisen auf das 12. Jahrhundert hin. Also auf die Zeit, in der die Homburg, das Kloster Amelungsborn und die Eversteiner Burg entstanden sind. In einer Erwähnung über Holzen um diese Zeit ist von "Holthusen minor" (Klein Holthusen) die Rede. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass die Poppenburg um 1180 genutzt wurde.
Die Zahl der bisher im Bereich des Befestigungswerkes entdeckten Funde ist gering. Es sind überwiegend Keramikscherben von zerbrochenen Gefäßen und stark verrostete Eisenobjekte. Nach einer Restaurierung der Eisenobjekte kamen dabei Reitersporen (Kugelsporen) hervor. Die Reitersporen und die Keramikscherben konnten auf die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert werden.
Über die Erbauer und Nutzer der Poppenburg ist nichts bekannt. Somit bleibt auch die Funktion unklar. Archivalien, die in dieser Frage weiterhelfen könnten, sind bis heute nicht aufgetaucht. Durch die Datierung der Fundgegenstände kann davon ausgegangen werden, dass die Burg in einem Zusammenhang mit der Homburg gesehen werden kann, da in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Homburg und auch das Kloster Amelungsborn errichtet wurden.
Die Lage der Poppenburg lässt vermuten, dass sie zur Überwachung des Verkehrs und zur Gebietssicherung gedient haben könnte, da man von dort einen weiten Blick in die Ithbörde hat. Auch der heutige Waldweg unterhalb der Poppenburg trennt mit dem Bärenbrink auf der einen und der Teufelsküche auf der anderen Seite den Ith vom Hils. Er verläuft über die Ith-Hils Mulde in den Hilsborn und über die drei Heuwege auf die Ithwiesen, so könnte er ein wichtiger Handels- oder Verkehrsweg gewesen sein, den es zu überwachen galt, denn sicherlich war es leichter, mit Last- und Zugtieren hier das Gebiet zu passieren, als die lang gezogene Höhe des Ithkamms mühsam zu überqueren.
Die Kulthöhlen im Ith. Wohl schon früher, doch nachweislich ab Mitte des 19. Jahrhunderts, versucht man dem Geheimnis, dem Mythos der Holzener Höhlen auf den Grund zu gehen.
Anwohner der umliegenden Ortschaften, die immer wieder die Rothesteinhöhle untersuchten, fanden Menschenknochen und bronzene, mit Knochen verarbeitete Gegenstände, womit der Mythos der Menschenfresser im Ith aufkam. Diese Gegenstände führten zu einer weitführenden Untersuchung durch den Verein für Geschichte und Altertumskunde Wolfenbüttel. So wurde 1883 die erste wissenschaftliche Untersuchung der Rothensteinhöhle durch A. Wollemann vorgenommen. In dieser Grabung kamen einzelne Feuerstellen sowie weitere Geräte aus Bronze und Knochen, Tonscherben und zerschlagene, zum Teil verkohlte Menschenknochen zum Vorschein, in deren weiterer Betrachtung A. Wollemann Indizien für Menschenopfer oder Kannibalismus der Höhlenbewohner gesehen hat.
Bis in die heutige Zeit wurden immer wieder dort Keramikscherben, bronzene Gegenstände und Knochenfunde gemacht. Im Jahre 1954, als der Archäologe F.-W. Hase einen Nebengang der Rothesteinhöhle endeckte, stieß er auf eine Opferplatte mit abgelegten Bronze- und Knochenobjekten: Zwei bronzene Dolchklingen, Bronzepfriem in Knochenschäftung, Knochenpfriem, mehrere Fingerringe aus Bronze sowie einige Fingerknochen und eine Schädelkalotte.
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Die Kulthöhlen im Ith
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Eine dieser Kulthöhlen, die Teufelsküche, ist leider nur noch aus einer Überlieferung her bekannt. Wobei die Teufelsküche eine Opferstätte darstellte, an der man weit bis ins 19. Jahrhundert hinein Opfergaben in Form von Wein und Lebensmitteln an germanische Gottheiten gab.
... aber meine Großmutter packte anderntags eine Wurst, ein Stück Brot und von jeder Frucht zehn Ähren ein und schärfte mir genau ein, wie ich mich verhalten sollte. Die Gaben sollte ich in den Felsen werfen und dann sagen: „Idiesen, Idiesen, Idiesen nehmt diese Gaben für meinen kranken Vater und lasst ihn wieder gesund werden - Friga, Friga, Friga“. - Aus einer Erzählung von A. Morie - Eine germanische Opferstätte (Sagenhaftes Holzen).
Die Dolomitfelsen, in denen sich auch die Teufelsküche befand, wurden 1908 abgetragen und zu Denkmälern verarbeitet.
Etwa 500 m südöstlich der Rothensteinhöhle liegt im Bereich der Klippenformation des Nasensteins die Gruppe der Soldaten,- Töpfer,- Nasenstein- und Kinderhöhle dicht beieinander. Während die Funde der Soldatenhöhle auf einen Aufenthaltsort einer steinzeitlichen Sippe hindeuten und die Funde der Töpferhöhle diese als einfache Töpferwerkstatt ausweisen, wurden indessen in der Nasenstein- und der Kinderhöhle Menschenknochen gefunden, die auf Überreste kannibalischer Mahlzeiten hindeuten.
Die Teufelsküche war ein Dolomitfelsen von etwa acht Meter Länge, fünf Meter Breite und fünf Meter Höhe. In der Mitte befand sich eine Höhlung von etwa einem Meter Höhe, zwei Meter Länge und 80 Zentimeter Breite. Als Opferstätte wurden dort noch, weit bis ins 19. Jahrhundert hinein, Opfergaben zur Hilfsbitte an germanische Gottheiten gegeben. Diese alte Opferstätte lag gegenüber der Poppenburg. Sie war als Teufelsküche verschrien, an deren Ort man um die Geisterstunde den Teufel antreffen konnte und der nicht selten besonders von Wilddieben in den wunderlichsten Gestalten gesehen wurde. August Morie aus Holzen hat in den 30er Jahren eine seiner Kindheitserinnerungen "Eine germanische Opferstätte am Ith" niedergeschrieben. In dieser Geschichte ist von mehreren menschlichen Schädeln, die er als Kind in der Teufelsküche fand, die Rede. Die Schädel waren unterschiedlich geformt, wobei die Unterkiefer dieser Schädel leicht hervorstanden. 1908 wurde dieser Dolomitfels mit der Teufelküche abgetragen und sein Stein zu Denkmälern verarbeitet.
Wie oben aufgeführt, sind die Holzener Höhlen in der späten Jungsteinzeit und frühen Bronzezeit von prähistorischen Menschen zur Durchführung religiös motivierter Opferrituale aufgesucht und genutzt worden. Dadurch zählen die Holzener Höhlen zu den herausragenden archäologischen Denkmälern in Deutschland. Fundstücke aus der Rothesteinhöhle, wie auch eine Nachbildung des Eingangs der Höhle, sind im Landesmuseum Hannover ausgestellt.
Die gesamte Ithbörde gilt als urgeschichtliche Völkerstraße. Bodenfunde wie Feuersteinspitzen, Steinbeile sowie andere Steingeräte weisen im Bereich von Bisperode bis Holzen auf eine spärliche Besiedlung der Ithbörde in der Jungsteinzeit hin. So kann man annehmen, dass der Ithkamm den urgeschichtlichen Völkern als Ausrichtung ihrer Wanderungen galt.
Zum Schutz der überwinternden Fledermäuse ist die Rothesteinhöhle vom 15. Oktober bis 15. April verschlossen. Auch die anderen Höhlen stellen für viele Tiere ein Winterquartier dar und sollten in dieser Zeit auch nicht gestört werden.